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Aktuelle Entwicklungen und fachpolitische Weichenstellungen in der Kinder- und Jugendhilfe Niedersachsens Bericht zur Sitzung des Landesjugendhilfeausschusses

Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen im geplanten Kinderschutzgesetzes, die Weiterentwicklung inklusiver Strukturen sowie Strategien zur Fachkräftesicherung ebenso wie die Stärkung bestehender sozialräumlicher Infrastruktur wie die Familienzentren in Niedersachsen.

Die Berichte aus der Verwaltung verdeutlichten weiterhin hohe Belastungen in der Kinder- und Jugendhilfe. Insbesondere im Bereich der unbegleiteten minderjährigen Ausländer:innen (umA) sind die finanziellen Aufwendungen in den vergangenen Jahren, bei gleichzeitig rückläufiger Zahl der Verteilentscheidungen, deutlich gestiegen. Weitere Schwerpunkte der Berichte waren unter anderem die Verlängerung der Richtlinie Familienförderung, die Einführung einer bundesweit einheitlichen Markenstrategie in den Frühen Hilfen – sowie der begonnene Novellierungsprozess des Jugendförderungsgesetzes. Darüber hinaus wurde über den Stand der Betriebserlaubnisse nach § 45 SGB VIII und die Arbeit der Schiedsstelle nach § 78g SGB VIII berichtet. Der Fachtag „Fachberatung im Dialog – Kinderschutz in Kindertageseinrichtungen leben“ am 9. September 2025 erwies sich als ein voller Erfolg. Besonders wurde auf die Inanspruchnahme der Antragstellung für die finanzielle Förderung für Kräfte in Ausbildung gemäß § 30 NKiTaG hingewiesen, die seit diesem Kindergartenjahr ausschließlich über kita.web vorgesehen ist.

Im Landesjugendamt ist das Personalbemessungsverfahren entsprechend § 79 Abs. 3 SGB VIII bereits gestartet und wird durch die PricewaterhouseCoopers GmbH (PwC) begleitet.

Das Niedersächsische Sozialministerium informierte über den Gesetzentwurf des geplanten Kinderschutzgesetzes, der Anfang 2026 in das Kabinettsverfahren eingebracht werden soll. Vorgesehen sind unter anderem verpflichtende Schutzkonzepte für die JFG-Förderung und bei der Anerkennung nach §75 SGB VIII, die Einrichtung einer Landeskoordinierungsstelle Kinderschutz sowie die Etablierung eines interdisziplinär besetzten Beirats.

Die Niedersächsischen Ombudsstellen sind, nach den Ergebnissen des ersten Teils des vorgeschriebenen Evaluationsberichts zu beurteilen, in Niedersachsen angekommen. Die genaueren Auswertungsaspekte werden in der nächsten Sitzung des NLJHA vorgestellt. Um Einschätzungen aus der Perspektive von Trägern der öffentlichen und freien Kinder- und Jugendhilfe gewinnen zu können, wird im Januar 2026 eine qualitative Befragung zum Thema Ombudschaft durchgeführt.

Die Referentin für Inklusive Kinder- und Jugendhilfe stellte ihr Tätigkeitsfeld der neu geschaffen Stelle vor. Ziel sei die konzeptionelle Begleitung der Zusammenführung von Leistungen nach SGB VIII und SGB IX. Vorgesehen sind landesweite Arbeitsgruppen, die Fortführung des Netzwerks Verfahrenslotsen sowie Modellvorhaben zur inklusiven Ausgestaltung von Bedarfsermittlung und Hilfeplanung. Konkret plant das Land ein Modellprojekt zur Entwicklung eines landeseinheitlichen Leitfadens für eine ganzheitliche Bedarfsermittlung für junge Menschen mit und ohne Behinderungen. Dieses Vorhaben soll wissenschaftlich begleitet und durch einen Projektbeirat unterstützt werden. Die sich anschließende Diskussion im Ausschuss machte deutlich, dass ein Fokus auf den Ausbau inklusiver Angebotsstrukturen wichtig sei.

Fachkräftesicherung: Projekt „Bildungsmatrix“

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftemangels wurde vom NLJHA der Projektauftakt zur Entwicklung einer „Bildungsmatrix“ erteilt. Das vom Sozialministerium in Auftrag gegebene Projekt wurde von Frau Prof. Dr. Alexandra Engel, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) vorgestellt. Ziel ist der Aufbau eines digitalen Orientierungs- und Beratungsinstruments, das Transparenz über Qualifizierungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungswege in den Hilfen zur Erziehung schafft. Die digitale Plattform der Bildungsmatrix richtet sich sowohl an öffentliche und freie Träger als auch an (potenzielle) Quereinsteigende und soll zugleich strukturelle Bildungs- und Einstiegshürden sichtbar machen. Der öffentliche Launch der Plattform ist für 2026 geplant.

Familienzentren als sozialräumliche Infrastruktur

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt war die aktuelle Entwicklung der Familienzentrumsarbeit in Niedersachsen, die von Herr Luttmer und Frau Köper-Jocksch, Familienzentrumsarbeit in Niederachsen (nifbe), vorgestellt wurde. Familienzentren sind in Niedersachsen zentrale sozialräumliche Orte der Begegnung, Bildung und Beratung, die einen wichtigen Beitrag zu Prävention, Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit leisten. Es bestehen die rechtlichen Grundlagen sowie ein großes fachliches Potenzial, allerdings bestehen die Herausforderungen in der mangelnden finanziellen und strukturellen Absicherung. Der Bedarf an politischer Unterstützung und klaren Rahmenbedingungen wurde ausdrücklich hervorgehoben. Die entwickelte Handlungsempfehlung zur Qualitätsweiterentwicklung „Qualitätsrahmen Familienzentren in Niedersachsen“ kann über diesen Link erreicht werden:

https://nifbe.de/das-nifbe/projekte/aktuelle-projekte/familienzentren/

Mit den Beschlüssen zur „Förderung und Weiterentwicklung der Familienzentrumsarbeit in Niedersachsen“, der „Schaffung von Öffentlichkeit in den Unterausschüssen“ und der Schwerpunktsetzung des Fortbildungsprograms des Landesjugendamtes für 2027, setzt der NLJHA weitere Akzentuierungen im Handlungsfeld der Jugendhilfe.

Abschließend wurde vom Kultusministerium ausführlich über den Sachstand zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter informiert. Kritisch diskutiert wurden sowohl rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen als auch fachliche Herausforderungen, insbesondere an den Schnittstellen zwischen Schule und Kinder- und Jugendhilfe.

Auf der Arbeitsebene plant der NLJHA eine gemeinsamen Klausurtagung 2026, die unter dem Thema „Die Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe in Niedersachsen – Transformation in der Kinder- und Jugendhilfe“ stehen soll.

Die nächste Sitzung des Landesjugendhilfeausschusses ist für den 11. Februar 2026 im Tagungshaus der Katholischen Akademie in Hannover geplant.


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