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Geh‘ mit der Zeit und mach‘ dich bereit – Internationale Freiwilligendienste in der Kinder- und Jugendhilfe

Hallo, mein Name ist Napo Agbeko. Ich bin 22 Jahre alt und komme aus Togo. Jetzt lebe ich für ein Jahr in Deutschland und arbeite in einer Wohngruppe für Kinder. Ich finde es super, dass ich meine Interessen in die Arbeit einbringen kann. Zum Beispiel mache ich viel mit Fotografie und Grafikdesign und jetzt zeige ich den Kindern wie das geht. Uns allen macht das Spaß und wir können viel voneinander lernen.

Napo Agbeko absolviert einen Internationalen Freiwilligendienst in Deutschland und ist für 12 Monate in einer stationären Jugendhilfeeinrichtung tätig. Ein Internationaler Freiwilligendienst ist von seiner Grundstruktur ähnlich wie das bekannte Format des Freiwilligen Sozialen Jahres. Junge Erwachsene engagieren sich für einen Zeitraum von 6 bis 24 Monaten in einer gemeinwohlorientierten Einrichtung, nehmen währenddessen an organisierten Bildungstagen teil und erhalten für ihre Tätigkeit ein Taschengeld. Der zentrale Unterschied des Internationalen Freiwilligendienstes besteht darin, dass die Freiwilligen aus den verschiedensten Ländern der Welt nach Deutschland reisen und ihr Engagement in innerdeutschen Einrichtungen erbringen.

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit den Vor- und Nachteilen eines Internationalen Freiwilligendienstes für deutsche Einsatzstellen, unter anderem jene der Kinder- und Jugendhilfe, beschäftigt. Während meines derzeitigen Berufspraktikums im Landesjugendamt, bei welchem ich häufig mit Trägern*innen der stationären Jugendhilfeeinrichtungen in Kontakt bin, konnte ich in Hinblick auf das Thema meiner Bachelorarbeit folgende Beobachtung machen: Freiwilligendienstleistende sind zwar in vielen Wohngruppen vertreten, allerdings bin ich bisher auf keine internationalen Freiwilligen gestoßen.

Dabei gewinnt diese Form der Freiwilligendienste in den letzten Jahren zunehmend an Aufmerksamkeit, sodass 2018 insgesamt 4.616 sogenannte Incoming-Freiwillige ihren Dienst in der Bundesrepublik leisteten. Obwohl die Freiwilligenzahlen jährlich einen kontinuierlichen Anstieg aufweisen, ist die Outgoing-Komponente – in Deutschland lebende junge Menschen absolvieren einen Freiwilligendienst im Ausland – zahlenmäßig deutlich überlegen. Das hängt nicht etwa mit der fehlenden Bereitschaft von internationalen jungen Erwachsenen an einem Freiwilligendienst zusammen, sondern mit dem bisherigen Mangel an Einsatzstellen in Deutschland. Dabei ist der Mehrwert, den sich Einrichtungen generell von Freiwilligendienstleistenden erhoffen, bei Incoming-Freiwilligen ebenso gegeben. Neben dem hohen Maß an Engagement, zeitlichen Kapazitäten und individuellen Kompetenzen, bringen die jungen Menschen auch Einflüsse ihrer Sozialisation in die Arbeit ein. Napo Agbeko zum Beispiel zeigt den Betreuten die Funktionsweise einer Kamera und übt im Anschluss mit ihnen die Bearbeitung von selbst geschossenen Bildern. Darüber hinaus erzeugen die Freiwilligen aufgrund ihrer Entscheidung eines Internationalen Freiwilligendienstes in ihrem sozialen Umfeld, sei es bei den Betreuten, Kollegen*innen oder Freunden, eine ermutigende und fördernde Wirkung, „weil nicht jeder kümmert sich um so ein Stipendium [Freiwilligendienst] und reist mal um die halbe Welt, um dann da zu leben ohne seine Familie. Das strahlt auch aus auf die Menschen, wenn die das sehen und wahrnehmen.“ (Zitat Bachelorarbeit).

Gleichzeitig profitieren auch die Freiwilligen von dem Dienst, indem sie sich in ihrer Persönlichkeit weiterentwickeln, ihre Sprachkenntnisse verbessern oder während ihrer Urlaubstage Deutschland und Europa bereisen. Allen Beteiligten, also den Freiwilligen, den Adressat*innen und auch den Mitarbeitenden, ermöglicht der Freiwilligendienst einen erfahrungsreichen internationalen Austausch sowie die Möglichkeit des voneinander Lernens. Um all die positiven Effekte eines solchen Dienstes ausschöpfen zu können, bedarf es – ebenso wie bei Freiwilligen aus Deutschland – einer guten und auch zeitintensiven Anleitung. Hierbei müssen sprachliche, kulturelle oder zwischenmenschliche Unterschiede jedoch keine Hindernisse darstellen, sondern können als Medium für mehr Weltoffenheit und Toleranz genutzt werden. Ein Incoming-Freiwilligendienst stellt letztlich nicht nur für die oder den Einzelne*n einen Mehrwert dar, gleichzeitig trägt er zur globalen Vernetzung in der Einen Welt bei.

Sind Sie bereit, sich den gesamtgesellschaftlichen Veränderungen anzunehmen und die Kinder- und Jugendhilfe mit ihren Akteuren*innen aktiv an der Gestaltung des menschlichen Miteinanders zu beteiligen? Dann könnte ein Internationaler Freiwilligendienst genau das Richtige sein! Bei Nachfragen und für weitere Informationen können Sie sich bis zum 30.09.2020 gerne melden unter der E-Mail Adresse: janina.reher@ls.niedersachsen.de



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