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Frühe Hilfen in Zeiten der Corona-Krise

Kontaktbeschränkungen, Schließung von Krippen, Kitas und Schulen, Homeoffice, Homeschooling, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit etc. - das sind die Belastungen, mit denen Familien seit dem Lockdown zu kämpfen haben. Seit Wochen erfüllt es die Fachkräfte im Arbeitsfeld der Frühen Hilfen mit Sorge, wie sich die häusliche Situation gerade bei psychosozial belasteten Familien entwickelt.

Regelmäßige Umfragen bei den Jugendämtern ergaben bisher keinen Anstieg bei den Verfahren zur Klärung einer Kindeswohlgefährdung. Allerdings spiegeln diese Zahlen zunächst nur die Meldehaltung wieder und das in einer Zeit, in der wichtige Meldeinstanzen wie die Kindertagesbetreuung oder die Schulen geschlossen waren und Besuche durch das Jugendamt ebenfalls den Beschränkungen unterlagen.

Auf Bundesebene starteten daher viele Aktionen über alle verfügbaren medialen Kanäle bis hin zu Postwurfsendungen in Millionen von Haushalten, um die breite Öffentlichkeit für Themen wie z.B. Stressbelastung in Familien, häusliche Gewalt und Übergriffe auf Kinder zu sensibilisieren und auf vorhandene Beratungs- und Hilfeangebote wie Hotlines, sichere Orte u.ä. hinzuweisen.

Seitens der Bundesstiftung Frühe Hilfen galt von Beginn an, dass die Aufrechterhaltung der Kontakte mit Familien oberste Priorität hat. Auch wenn keine Besuche in den Familien möglich waren, sollen doch alle Möglichkeiten genutzt werden, die Betreuung über Telefon, Video, Chat, Kontakte im Freien etc. weiter zu führen. Dafür wurden sogar die zuwendungsrechtlichen Bestimmungen ausgeweitet, z.B. für die Anschaffung von technischem Equipment und Software-Lizenzen nach Absprache mit der Landeskoordinierungsstelle.

Unabhängig hiervon haben die Netzwerke Frühe Hilfen in den niedersächsischen Kommunen in den letzten Monaten eine Fülle von Aktivitäten entwickelt, um „ihre“ Familien zu unterstützen und insbesondere die Kinder gesund durch diese Ausnahmesituation zu bringen.

Flächendeckend wurden auf kommunalen Internetseiten Informationen eingestellt oder in manchen Fällen auch ein Familienblog oder eigene „Corona-Hotlines“ initiiert, als Wegweiser zu Familienthemen (z.B. Finanzen, KiTa, Schule) und für aktuelle Informations-, Beratungs-, Unterstützungs- und Hilfsangeboten für Familien. Vom „Spiele- und Basteltipp des Tages“ bis zu Online-„Challenges“, von Elternbriefen und Newslettern bis „Auszeiten“ in Parks für Familien in beengten Wohnsituationen und „Besuchen übern Gartenzaun“ - die Kreativität und der Ideenreichtum der Verantwortlichen ist beachtlich.

Zur Verbreitung der Informationen über die derzeitigen Beratungs- und Unterstützungsangebote werden verstärkt Social-Media-Kanäle und Messenger-Dienste genutzt. Als positiver Nebeneffekt in der Krise werden dadurch mitunter auch Familien erreicht, die sich bisher über herkömmliche Strukturen wenig angesprochen fühlten bzw. klassische Verteilerwege nicht nutzen.

In der konkreten Arbeit mit den Familien bieten die Netzwerkkoordinierenden und die Gesundheitsfachkräfte wie Familienhebammen und Familienkinderkrankenschwestern regelmäßige telefonische Sprechstunden an. Zusätzlich zu den Beratungsgesprächen via Telefon oder Mail begleiten und unterstützen sie durch Kontakte über Skype und per Videoaufnahmen. In besonders schwierigen Situationen können persönliche Kontakte aber auch unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen und wenn möglich im Freien stattfinden.

Auch wenn Beratung in den Frühen Hilfen und bei den regionalen Netzwerkpartnerinnen und -partnern derzeit noch überwiegend per Telefon, Video und Mail erfolgt, werden mancherorts auch schon die Angebote mit direktem Kontakt wieder hochgefahren.

Bei den Willkommensbesuchen gibt es zurzeit ebenfalls unterschiedliche Vorgehensweisen, um die Besuche weiter zu führen. Da werden z.B. die Familien per Post angeschrieben, Termine für eine kontaktlose Übermittlung der Willkommensgaben mitgeteilt, kurze Gespräche per Videochat, an der Haustür oder über den Gartenzaun geführt. Alle Kontaktaufnahmen sind natürlich immer verbunden mit der Einladung, bei Bedarf örtliche Beratungsstellen anzurufen.

Die Gruppenangebote für Eltern wurden in den letzten Wochen so gut es ging per Telefon oder online aufrechterhalten. So gibt es beispielsweise die Café Kinderwagen als Telefonsprechstunde, oder sie finden virtuell über Videokonferenzanbieter wie Skype nun „at Home“ statt, ebenso wie die Stillcafés.

Es gibt noch unzählige Beispiele guter Praxis, deren Aufführung an dieser Stelle zu weit führen würde. Die Netzwerkkoordinierenden in den niedersächsischen Kommunen haben in den letzten Wochen ihre Angebote und Aktionen über die Landeskoordinierungsstelle Frühe Hilfen untereinander ausgetauscht, da durch den Lockdown auch die regionalen Treffen der Fachkräfte nicht möglich waren. Hieraus wurde eine Sammlung erstellt, die in Ergänzung mit landes- und bundesweiten Aktionen sowie etlichen Links auf einer internen Plattform zur Verfügung steht - auch über die Krisenzeit hinaus.

Weiterführende Informationen über:

Landeskoordinierungsstelle Frühe Hilfen

Kommunale Netzwerke Früher Hilfen


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